Deutzen - das war der herbe Geschmack auf von Kohlenstaub auf der Zunge. Mit dem Niedergang der Bergbauindustrie ist ein bitterer Nachgeschmack geblieben, mußten doch die Deutzener ihren ursprünglichen Ort der Kohle opfern. Das neue Deutzen steht auf ausgekohltem Gebiet . Das Ortsbild wird durch die Bergarbeitersiedlung und durch die Ersatzbauten der fünfziger und sechziger Jahre geprägt. Vielfältiges Bemühen ist erkennbar, dem Ort ein erneuertes, schöneres Gesicht zu verleihen.

nach 600 Ein altsorbisches Dorf entsteht, dessen Namen sich von Dicin = "Ort des Dik(a)" ableitet.
11. Jh. Durch Zuzug deutscher Bauern nimmt das ursprünglich als Rundweiler angelegte Dorf die Form des Sackgassendorfes an. Die einstigen Block- und Streifenfluren werden zu gewannähnlichen Flurformen umgestaltet.
1238 König Wenzel von Böhmen nimmt mit dem Kloster Platz einen Güteraustausch vor. In der dazu ausgestellten Urkunde wird ein "Hewicus de Dycin" (Herbert von Deutzen) erstmals erwähnt.
1318 Eine mittelalterliche Wasserburg wird erwähnt, vermutlich an der Stelle des spätere Schlosses.
1525 Am 12. Juli werden Martin Schuster aus Deutzen und drei weitere Anführer der Bauernunruhen auf dem Altenburger Markt hingerichtet.
1526 Wegen Beteiligung am Bauernkrieg haben 23 Bauern insgesamt 14 Gulden und 14 Groschen als Strafgeld zu zahlen. Für die Besoldung der 30 Landsknechte hat Deutzen einen Beitrag von 2 Schock 32 Groschen zu entrichten. Diese Schocksteuer wird auf das Deutzener Vermögen von 600 Schock als Vermögenssteuer erhoben. Als Steuer für die zwei Heerwagen sind fünf Schock zu zahlen.
1547 "Deytzen" kommt zum albertinischen Kurfürstentum.
1574 Ein "Schulhäuslein" mit Garten und Hof wird erwähnt.
1630 In "Deytzen" und Röthigen sterben 130 Menschen an der Pest. 1637 Schwedische Truppen fallen in Deutzen ein. Sie plündern, morden und bringen die Pest, an der 73 Dorfbewohner starben.
1717 Der Rittergutsbesitzer Georg Christoph von Braun errichtet eine zweigeschossige dreiflügelige Schlossanlage.
1719 Nach einem Blitzschlag brennt die Kirche nieder.
1727 Ein Brauhaus wird erwähnt.
1728 Am 22. November wird der Kirchenneubau eingeweiht.
1788/89 Es herrscht große Kälte von Ende Oktober bis Ende März. Strengster Frost und meter hoher Schnee vernichtet fast den gesamten Obstbaumbestand.
1806 Die Kirche wird renoviert und erhält neue Glocken.
1840 Am 13. November wird ein neues Schulhaus neben der Kirche eröffnet 1842 Am 19. September fährt der erste Dampfzug auf der Strecke Leipzig- Hof durch Deutzen.
1885 Schnellwachsende Schülerzahlen machen eine Erweiterung des Schulgebäudes notwendig.
1910/11 Der Aufschluß des Tagebaus westlich von Deutzen und die Errichtung des Braunkohlewerkes "Kraft II" bei Deutzen bewirken eine grundlegende Veränderung der siedlungsmäßigen, wirtschaftlichen und sozialen Struktur des Ortes.
1912 Am 25. Mai wird die Brikettfabrik Deutzen in Betrieb genommen.
1914 Die Volksschule Deutzen, auch "große Schule genannt, wird an der Bornaer Straße fertiggestellt. 1918 Im November bekommt der Ort eine Eisenbahnstation.
1922 Deutzen hat u.a. einen Männergesangsverein, einen Turnverein und den Sächsischen Militärverein.
bis 1930 Die Bergmanns-Wohnstättengesellschaft Borna errichtet auf ausgekohltem Gelände die Siedlung Deutzen mit 113 Bergarbeiterwohnungen. Der Architekt ist Curt Schiemichen aus Leipzig.
1930 13 Grundstücke bzw. Bauernhöfe müssen dem Tagebau weichen.
1932 Über 350 Arbeiter und Angestellte sind von Arbeitslosigkeit betroffen.
1934 Röthigen wird eingemeindet.
1937 Die Schwelerei wird nach einjähriger Bauzeit in betrieb genommen.
1946 Am 1. August wird das Braunkohlewerk als Kombinat Deutzen in die sowjetische Aktiengesellschaft mit dem Namen SAG "Brikett" eingegliedert. Auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration werden die Anlagen auf dem schnellsten Weg instandgesetzt und auf volle Leistung gebracht.
1947/48 Die Schulen Deutzen und Görnitz werden zusammengelegt, ein zusätzliches Schulgebäude, die sogenannte Notschule wird gebaut.
1950/51 Auf dem Volksplatz wird eine Bühne für kulturelle Veranstaltungen errichtet. Bei schlechtem Wetter können Veranstalltungen im Festzelt stattfinden, das so groß ist, daß fast alle Deutzener darin Platz haben.
1952 Am 5. Juni wird das Werk durch den letzten sowjetischen Generaldirektor, Makowin, an Deutschland zurückgegeben und in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt.
1955 Im Ortsteil Röthingen wird ein Wasserturm errichtet. Er übernimmt die Funktion des Wasserturmes Blumroda, der dem Tagebau weichen muß.
Mit dem Betriebsbus des Werkes werden Ausflüge unternommen. Da dieser bald für alle Interessenten zu klein ist, wird der "Bockwursthänger" abgeschafft. Die Belegschaft hatte auf die Bockwurst verzichtet, die zum Tag des Bergmannes spendiert wird, und so den Hänger mitfinanziert.
1956 Im Dezember wird das Kulturhaus Deutzen eröffnet. Bis dahin dient der Saal im Zechenhaus für vielfältige kulturelle Veranstalltungen.
1958 Das Flußbett der Pleiße wird verlegt. Ursprünglich bildet das Flußbett die Grenze zwischen den Fluren Deutzen und Görnitz. Der Fluß verläuft nunmehr ca.1000 Meter westlich mitten durch den Ort.
1960-63 Wegen Rutschungen im Tagebau Deutzen ist eine Notverlegung der Pleiße erforderlich. Der Tagebau Deutzen muß geschlossen werden.
1960 Die Bauern schließen sich in der LPG "Pleißental" zusammen. Die verbliebene landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt 120 ha und wird von 23 Genossenschaftsbauern bewirtschaftet.
1962 Am 5. März wird der Schulneubau mit 20 Klassenzimmern, sechs Fachkabinetten, Turnhalle, Kinderhort und eigener Küche sowie Sportanlagen eingeweiht. Diese Schule wird auch von den Schülern aus Ramsdrorf, Hagenest, Heuersdorf und Regis besucht.
1963 Seit dem 17. Juni führt die Buslinie Lucka-Regis-Breitingen-Borna über Deutzen, da die Straße von Ramsdorf nach Regis-Breitingen dem Tagebau Haselbach weichen muß.
1965 Im zuge der Ortsverteilung werden die Bewohner von Alt-Deutzen umgesiedelt. Am 1.September wird ein neuer Kindergarten eingeweiht.
1966/67 Alt-Deutzen wird überbaggert.
1967 Am 16. und 17. September wird der neue Volkspark mit einem Volksfest eingeweiht.
1968 Das Werk Deutzen wird in das Kombinat Regis eingegliedert.
1974 Die Schwelerei Deutzen wird stillgelegt. Es produzieren nur noch die Brikettfabrik und das Kraftwerk.
1980 Das Werk Deutzen wird Teil des Braunkohlekombinats Bitterfeld.
1983 Eine dringend nötige Entstaubungsanlage wird in Betrieb genommen. Diese Anlage sammelt den abgeschiedenen Staub, von dem bis dahin täglich zwei Tonnen den Ort und die Umgebung belasten.
1989 Es wird erstmals die Tagesleistung von viertausend Tonnen Braunkohlenbriketts überschritten.
1990 Das Werk Deutzen wird in die Mitteldeutsche Braunkohle Aktiengesellschaft MIBRAG eingegliedert.
1992 Das Kulturhaus Deutzen wird zur Diskothek umgebaut. Am 13. März wird die Brikettfabrik Deutzen stillgelegt.
1993 Ein holländisches Unternehmen erhält den Auftrag zur Wiederaufbereitung des belasteten Bodens auf dem Werksgelände.

Einwohner:
1548/51: 24 besessene Männer mit 20 Hufen und 39 Inwohner
1764: 27 besessene Männer 20 Hufen je 12 Acker
1834: 274
1871: 315
1890: 362
1900: 353
1910: 365
1922: 815
1925: 725
1930: 1800
1939: 2454
1945: 2924 davon sind 512 Flüchtlinge
1950: 3700
1968: 4300
1990: 2711
1994: 2724

zusammengestellt von der Gemeinde Deutzen

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